Diskussionskultur im Netz – Am Arsch

Pöbeln, Stänkern, Beleidigen - Hauptsache auskotzen

DiskussionskulturHass und Hetze immerzu und überall

Jede Redaktion kennt das. Kaum ist ein Artikel raus, hagelt es auch schon Kommentare. Das ist grundsätzlich gut. Schlimm ist, dass so viele Hass- und Hetzkommentare dabei sind. Eine Diskussionskultur findet so nicht statt.

Die vermeintliche Anonymität verleitet viele Leute dazu, ihre psychotischen Abgründe der Öffentlichkeit ins Gesicht zu reiern. Meist unreflektiert und völlig sinn- und merkbefreit. Hauptsache ein lautes „Nein“, gelinde ausgedrückt. Destruktiv muss es sein, Hauptsache dagegen, weil das auch so schön einfach ist. Dann muss man sich nicht lange mit dem Thema beschäftigen, da muss man nicht denken und diese Gedanken auch tatsächlich ausformulieren. Ein paar Stichworte im Teaser reichen diesen Leuten, um die verbale Axt rauszuholen und drauflos zu hacken. Die Artikel zu lesen ist schon zu viel. Warum auch? Den Leuten geht es ja nicht um die sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema, ihnen geht es nicht um das Thema, sie wollen sich nur selber in den Mittelpunkt rücken und Aufmerksamkeit für sich. Trolle eben.

Im Großen wie im Kleinen

Die Mentalität des „Dagegen sein“, des Negieren und „Nein“ schreiens, zieht sich wie eine Seuche durch die sozialen Netze. Mangelnde Diskussionskultur als jüngstes Beispiel sind Kommentare zu meinem  Artikel zum Weggang von Stefan Raab und die Suche nach Ersatz durch PRO7. Kaum war der Artikel in GooglePlus geteilt, kam auch schon der erste Negativkommentar. Vermutlich nach der oben beschrieben Kausalkette zustande gekommen. Der Kommentator liest „Stefan Raab“ und legt los. Und natürlich völlig sinn- und merkbefreit. Gefolgt von einem weiteren Kommentar eines anderen Users, noch sinn- und merkbefreiter als der erste.
Sinnfreie KommentareDer erste Kommentator hat den Artikel offensichtlich nicht gelesen. Der Reizbegriff „Stefan Raab“ wird nur im Teaser verwendet. In den restlichen nahezu 1000 Wörtern des Artikels geht es nicht mehr um Stefan Raab, sondern um die neuen Formate bei PRO7. Zum eigentlichen Inhalt des Artikels schreibt der Kommentator aber kein Wort.
Dann fällt auf, dass er selber über seine erste Anmerkung herzlich lachen muss. Ja, voll lustig? Weiter disqualifiziert er sich, weil er angibt, dass er von 25 Jahren TV Geschichte von Stefan Raab, angeblich nicht einmal fünf Minuten gesehen hat. Aus diesen weniger als fünf Minuten kann er sich dann Meinung und Urteil bilden und findet es anscheinend unglaublich wichtig uns mitzuteilen, dass ihn Stefan Raab deshalb nicht interessiert. Es kommt alles zusammen was ich oben beschrieben habe. Er hat den Artikel nicht gelesen sondern reagiert auf seinen Reizbegriff. Er findet sich selber ganz wichtig und lustig. In seinem unqualifizierten Kommentar geht es um ihn, nicht um das Thema und die Sache.

Der zweite Kommentator macht sich gar nicht mehr die Mühe irgendwas“weiter führendes“ zu formulieren, sondern stimmt einfach nur blind zu. Ja genau, weil das nämlich so einfach ist und man nicht selber lesen und denken muss.

Schaut man dann  in die Timelines/Streams der beiden Helden, findet man nicht einen eigenen Beitrag. Ausschließlich geteilte Inhalte, oft nicht einmal mit eigenen Worten kommentiert, oder wenn, dann mit geistlosen Ergüssen und Plattitüden nach dem Muster  „Ja, finde ich auch“ besprenkelt. Eigene Meinung, eigene Formulierungen findet man da nicht. Ausschließlich schon woanders geteilte Konservenkost. Von Diskussionskultur sind Kommentare und „eigene“ Posts Lichtjahre entfernt. Von Kultur im allgemeinen ganz zu schweigen.

Abschließende Erläuterung

In diesem Artikel geht es um mangelhafte Diskussionskultur im Netz. Natürlich sind Hasskommentare und sinnfreies Gesabbel wie unter meinem Artikel, qualitativ nicht gleichzusetzen. Sie haben aber die gleichen Ursachen. Nicht lesen, nicht denken, sich nicht mit dem Thema beschäftigen. Es geht einzig und allein darum, schnell mal was rauszurotzen, ohne auch nur eine Minute drüber nachzudenken, was man da äußert, ohne sich auch nur mal länger als 10 Sekunden mit dem Thema und dem Artikel zu befassen. Genau das hat nichts mit Diskussionskultur im Gesamten und auch nichts mit Diskussion und Kultur im Speziellen zu tun.

 

Bild: ausgeliehen beim Vaticarsten

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4 Kommentare zu Diskussionskultur im Netz – Am Arsch

  1. Na immerhin hagelt es bei dir Kommentare 😉
    Ganz ehrlich: „Ja, stimmt“, „+1“, „Genau“ usw. ist aber auch nicht besser. Ich denke es ist eher die Art der Kommentare, als der Inhalt. Und die Art der Kommentare ist meiner Meinung nach in Medien wie G+ oder FB inzwischen von der Qualität her eher nicht so doll. Und ich glaube das ist eben auch ein Problem der Formate. G+ zeigt ein Bild und die Überschrift, eventuell noch den Anreißer des Autors. Schwupp, Kommentar drunter, teilen, weitermachen. FB zeigt von sich aus noch einen Kurztext, das hilft dem Textverständnis aber auch nicht mehr.

    Wenn du das jetzt auf Blogs überträgst: Um zu kommentieren, musst du erst mal vom Excerpt zum Artikel, dann runter in die Kommentarspalte, dort die üblichen Daten eintragen und dann den Kommentar schreiben, der dann im Optimalfall noch moderiert wird. Da kommt dann eher kein Kommentar, als eine Nullaussage, undurchdachtes Gepöbel usw…
    Wer sich da die Mühe macht, einen Kommentar zu schreiben, macht das eher ausführlich.

    Aber meine Haltung zur Verlagerung der Inhalte auf solche Portale kennst du ja 😉

  2. pliebetrau // 16. März 2016 um 8:41 //

    Hurra, der erste Kommentar in meinem Blog 😀

    Es stimmt. Ich beschreibe den Negativfall mit Reizwort und dann gehts los. Du den ebenso sinnlosen Positivfall. Auch damit findet eine Diskussion nicht wirklich statt.

    Die sozialen Netzwerke geben uns eine grundsätzlich höhere Reichweite, als wir sie alleine durch ein Blog erreichen. Dort kann direkt kommentiert werden und wir können das wiederum in den Kommentarthreads im Blog anzeigen. Das resultiert allerdings nicht in besserer Qualität der Kommentare. Es dient meistens nur der Quantität.

    Ich bin zweigespalten im Umgang damit. Einerseits gefällt mir die höhere Reichweite, andererseits hält sich die aus Sinnhaftigkeit aus genannten Gründen im Rahmen. Aus genau diesen Gründen gibt es eben diesen Artikel. 😉

    Ich biete ganz bewusst mehrer Möglichkeiten zu kommentieren an. Jeder soll hier selber entscheiden mit welchem Medium er reagiert. Das soll die Diskussionskultur fördern. In einem anderen Blog das ich technisch betreue, funktioniert das sehr gut. Hier leider nicht.

    Um die Leserate zu verbessern, spiele ich mit dem Gedanken, die direkten Kommentare in den sozialen Medien abzuschalten. Ob das die Kommentarqualität verbessert oder ob ich dann nur noch Plusse und Likes bekomme, wird sich dann zeigen.

    • Hmja, die Reichweite ist natürlich enorm viel größer, wenn man wie du ganz gut vernetzt ist. Bei mir kommen die Leser tatsächlich eher über Google und über RSS oder direkt.

      Die Möglichkeiten habe ich tatsächlich vorher noch gar nicht gesehen bzw. dachte ich, dass man da mit seinem wordpress.com-Konto kommentieren muss, das ist ja nicht der Fall.

      Meinst du die Leserate verbessert sich, wenn die Kommentare nicht mehr direkt möglich sind? Oder gibts dann einfach nur weniger Kommentare? 😀

      • pliebetrau // 20. März 2016 um 0:28 //

        Ich hoffe, dass die Artikel dann häufiger gelesen werden. Was die Kommentare angeht .. abwarten. 🙂

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